Inhalt
als Kreativwirtschafter
Dieser Text wurde freundlicherweise von Tanja Scartazzini, kunstundrecht.ch, aufbereitet.
Professionalität zeigen
Der Kulturbereich hat sich auch aufgrund der vielen Nachdiplomstudien im Bereich Kulturmanagement stark professionalisiert. Wirtschaft und Kunst haben sich angenähert und neue Sichtweisen auf die Verbindung dieser beiden Pole sind entstanden.
Die Studie "Kultur.Wirtschaft.Schweiz" der HGKZ zeigt im 2004 erstmals auf, welches Potenzial an Kreativität, Produkten und Arbeitsleistung im Kulturbereich in der Schweiz versammelt ist. Der Kulturbereich wird als zunehmend wichtiger Teil der Gesamtwirtschaft betrachtet und gefördert.
Häufig funktioniert der Kulturbereich als Katalysator für andere Wirtschaftszweige. So zum Beispiel beim Tourismus, der in der Schweiz wesentlich vom dichten Museums- und Galeriennetz und den weltweit bekannten Kunstmessen profitiert.
Der Kulturmarkt ist eine "Luxusbranche". Wenn Sie mit Ihrem Talent und Ihrer Kreativität Ihren Lebensunterhalt verdienen möchten, entscheiden Sie sich für ein schwieriges Umfeld. Auch wenn oft von Alternativkultur oder Non-Profit-Projekten die Rede ist, müssen Sie trotzdem existenzsichernd und professionell wirtschaften.
Eigen sein
Auf dem Kulturmarkt sind vorwiegend EinzelunternehmerInnen anzutreffen, unter vielen anderen Musiker, Künstler, Galeristen, Produzenten, Schriftsteller oder Kulturvermittler. Angebot und Nachfrage in der Kunstbranche halten sich kaum je die Waage. Einem gerade in der Schweiz riesigen Angebot an kulturellen Anlässen, Museen, Galerien, Konzerten etc. steht im Verhältnis eine begrenzte Anzahl Interessierter gegenüber. Umso wichtiger ist es, sich in diesem Umfeld genau zu positionieren und sich von den anderen Anbietern zu unterscheiden, um ein spezifisches Publikum zu finden.
Nebst den Fragen nach der künstlerischen Qualität des Produktes sollten sich Kulturschaffende und -vermittler unternehmerische Fragen stellen, z.B. nach den monatlichen Kosten, den Steuern, den Absatzmöglichkeiten und der Kundenakquisition. Massgeblich für den Erfolg ist eine vorausblickende und realistische Planung.
Existenzielle Fragen
Angehende Unternehmerinnen und Unternehmer erstellen heute in der Regel einen Businessplan. Er bringt ihre Geschäfts-Ideen und Vorstellungen mit dem Markt in Abstimmung und hilft, eine realistische Vorgehensweise zu planen.
Ein Kultur-Businessplan für Kulturschaffende und Kulturvermittler lässt sich nicht ganz so einfach erstellen, denn ein Beruf in dieser Branche ist häufig zugleich lebenslange Berufung. Ein solcher Plan beinhaltet eigentliche Lebensfragen:
Wie lange möchten und können Sie sich Zeit geben, bis sich der erhoffte Erfolg einstellt? Können Sie sich vorstellen, Ihre kreative Tätigkeit neben einer existenzsichernden Arbeit zu verfolgen oder wollen Sie davon leben? Haben Sie andere Ausbildungen, auf die Sie zurückgreifen können? Wie wichtig ist es für Sie, eine Familie zu haben? Können Sie mit finanzieller Unsicherheit umgehen?
Es ist entscheidend, dass Sie diese Fragen objektiv beantworten. Die Möglichkeiten im Kunstmarkt werden aus Enthusiasmus häufig überschätzt und viele Kulturschaffende sind später enttäuscht, wenn der erhoffte Erfolg ausbleibt oder sich keine Alternativen eröffnen, die den Wunsch nach einer Familie oder nach einem geregelten Einkommen ermöglichen. Studien zeigen, dass sich die meisten Kulturschaffenden im Alter zwischen 35 und 40 ein zweites Standbein schaffen oder sich gänzlich neuorientieren wollen oder müssen.
Für Kulturvermittler steht häufig im dritten Jahr nach der Unternehmensgründung die Frage nach dem Fortbestand ihres Unternehmens im Raum.
Kulturunternehmer sein
Sofern Kulturschaffende nicht über genügend Eigenmittel verfügen, verbringen sie viel Zeit in die Kapitalbeschaffung. Im Kulturbereich können Beiträge über Stiftungen und öffentliche Fördermittel beantragt werden. Dies ist aber mit einem relativ grossen administrativen Aufwand verbunden und bildet keine gesicherte, regelmässige Einkommensgrundlage. Beachten Sie, dass gewinnorientierte Projekte kaum je unterstützt werden. Andere Wege zur Kapitalbeschaffung sind Bankkredite oder Sponsoring.
Die ersten Gehversuche sind um einiges leichter, wenn Sie im Vorfeld Ihr Arbeitsumfeld organisiert haben und sich auf die Informationsbeschaffung sowie den Aufbau und die Pflege Ihres Netzwerkes kümmern können. Eventuell werden Sie feststellen, dass Ihr eigenes Unternehmen mit administrativen Aufwand verbunden ist, der Sie von der künstlerischen Produktion abhält. Überlegen Sie sich deshalb, ob Sie diese Tätigkeiten nicht einem externen Profi überlassen möchten. Klären Sie ab, welche Dienstleistungen Sie bei den Berufs- und Branchenverbänden in Anspruch nehmen können. Viele Verbände bieten Rechtsberatung, Taggeldkassen oder Weiterbildungsmöglichkeiten.
Im Kulturmarkt Fuss zu fassen und davon leben zu können, ist ein langer Weg. Dass ihn so viele unter die Füsse nehmen, zeigt , wie spannend, abwechslungsreich und vielfältig gerade diese Branche ist.